Battlefield 4 – Ich liebe Geschichten!

Hach, da überschlagen sich mal wieder die Begeisterungsstürme im Internet. EA hat offiziell Battlefield 4 angekündigt und gleich mal einen 17-minütigen Gameplay Trailer online gestellt. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich selbst auch neugierig war, was denn dem Spieler so alles geboten werden wird. Daher habe ich mir den Trailer noch vor dem Frühstück zu Gemüte geführt. In vielen unterschiedlichen Situationen begleitet man dabei ein Squad, welches versucht mit einer “Geheiminformation” aus feindlichem Gebiet zu fliehen. Dabei geht natürlich alles schief und man bekommt immer wieder packende Zwischensequenzen und Geballer vorgesetzt. Es ist also alles beim Alten geblieben. Achja, man kann die Umgebung zerstören. Meine Reaktion:

Arrested Development S01E01

Ganz im Ernst, ich habe nichts gegen Ego-Shooter oder die Battlefield Reihe. Ich fand sogar, dass Battlefield 3 auf gut ausgestatteten PCs sehr gut aussah und mir bestimmt auch Spaß gemacht hätte (Auf der Konsole sah es jedoch im Vergleich dazu erbärmlich aus). Aber außer ein paar Runden bei einem Freund habe ich nicht wirklich viel mit dem Titel anfangen können. Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass mein persönliches Interesse an Spielen immer mehr von dem abweicht was ein Großteil der Zielgruppe von Spielen erwartet.

Für mich ist es wichtig, dass ein Spiel eine Geschichte erzählt, die mich anspricht weiterzuspielen. Sei es, weil ich wissen will wie die Geschichte ausgeht oder nur weil ich die Geschichte durch mein Handeln beeinflussen kann. Es gibt zwar auch Ausnahmen (Lumines, diverse Arcade Titel)  aber das ist der Hauptgrund warum ich mir ein Spiel kaufe. Wenn ich mich jedoch im Bekanntenkreis umhöre oder ein wenig im Internet versinke, scheint es mir, dass dieses Kriterium mittlerweile zu Nebensache geworden ist. Wichtig ist immer mehr der Multiplayer Modus. Ist dieser nicht vorhanden oder nur rudimentär umgesetzt ist das Spiel bei vielen unten durch. Die Langzeitmotivation würde fehlen und “Wer zockt schon die Story?”.

Ich zocke hauptsächlich den Story Mode! Zwar finde ich es nett auch mal gegen Freunde zu spielen, doch dieses dauerhafte Kräftemessen ist nicht mein Ding. Ich muss nicht durch eine Serie von 25 Kills beweisen, dass ich in einem Spiel gut bin. Ich muss auch nicht versuchen auf einer Rangliste aufzusteigen und dafür ein Multiplayer Match nach dem anderen spielen, nur um zu zeigen, dass ich die vom Spiel vorgegebenen Regeln und Vorgaben schneller umsetzen kann als alle anderen. Das brauche ich einfach nicht. (Nicht, dass ich das nicht schon bei einigen Titeln ausprobiert habe, aber keiner hat mich auf Dauer im Multiplayer Modus halten können, es fehlt mir einfach eine entsprechende Motivation).

Dem Multiplayer Modus möchte ich keineswegs seine Qualitäten aberkennen. Ich sehe schon ein, dass in diesem viel Arbeit steckt, schließlich soll er ausgeglichen sein und die Spieler durch Upgrades dazu motivieren ihre Zeit darin zu investieren. Und das Meistern von bestimmten Spieltaktiken ist sicherlich eine große Herausforderung. Aber wo bleibt die Narration? Warum muss ich gerade hier in einem fest abgesteckten Gebiet (aka Map) gegen ein Team von Gegnern spielen. Kompetitiver Multiplayer-Modus ist echt nicht meins. Es ist für mich nichts weiter als eine andere Form des digitalen Schwanzvergleichs.

Im Singleplayer Modus ist die Immersion (zumindest bei guten Titeln) weitaus besser. Ich bin Sev, Gordon Freeman, der Hexer oder Shepard. Ich steuere nicht nur einen namenlosen, individualisierten Soldaten, dessen einziges Ziel es ist Bomben zu entschärfen, Flaggen zu klauen oder andere Soldaten zu erschießen. Natürlich habe ich diese Gameplay Elemente auch als Einzelspieler, sie werden mir jedoch gut verpackt in einem packenden Setting mit Storyzusammenhang geliefert. Ich erledige nicht einfach nur irgendeine feindliche Person, sondern es ist einer der führenden Bösewichte, die mir unerträgliches Leid zugefügt haben oder der eine Gefahr für alle darstellt. Autoren tüfteln an einer Story, die mich durch zurückgehaltene Informationen oder persönliches Involvement zum weiterspielen anregen.

Und dennoch scheinen sich mehr Leute für einen storyfreien Multiplayer Modus zu interessieren. Stellenweise liest man schon Kommentare, in denen die Frage gestellt wird, warum man den Multiplayer Modus nicht einzeln kaufen kann, da man die Story sowieso nicht vorhabe zu spielen. Arghl, in mir verkrampft sich alles, wenn ich so was lese. Geht es wirklich nur noch um den schnellen Kick des Multiplayermodus? Das permanente Kräftemessen? Bei Battlefield scheint dies der Fall zu sein, denn das Erlebnis der Kampagne wird “ergänzt” durch Popups mit Vergleichen zu anderen Spielern. Warum baut man so etwas in ein Spiel ein, das in seiner Präsentation als atmosphärischer Shooter präsentiert wird? Geht man mittlerweile davon aus, dass einen die Kampagne eh nicht mitreist und man daher gleich mal die Vergleichsfunktion einbauen muss? Bei einem Titel wie Battlefield, der im Singleplayer Modus von seiner Atmosphäre lebt, finde ich solch ein vorgehen unsinnig. Aus der gut gemeinten Erweiterung des Multiplayer Modus wird dadurch eine Einschränkung der Atmosphäre. Schade.

Aber mittlerweile wird das von den Spielern hingenommen, wenn nicht sogar schon erwartet. Als ich einen begeisterten Battlefield 3 Spieler aus dem Bekanntenkreis fragte, ob es ihm nichts ausmache, dass die Kampagne relativ kurz sei und danach eigentlich nur noch der Multiplayer Modus übrig bliebe, antwortete er mir, dass man das beim Kauf schon wissen würde. Na gut, ich kapituliere, ein Großteil der Spieler (zumindest die mit der Kaufkraft) und die Spielindustrie scheinen sich geeinigt zu haben.

Mir bleibt da nur noch die Flucht in grandiose Einzelspielererfahrungen, wie sie mir die Metal Gear Solid Reihe, Bioshock Infinite (bei dem konsequent auf den Multiplayer Modus verzichtet wurde, da er zu wenig Sinn machte) oder RPGs (die Rollenspiele, nicht den russischen Granatwerfer Ruchnoy Protivotankovyy Granatomyot) bieten. Und mit einem Auge schiele ich auf Titel wie PAYDAY: The Heist, die es als Multiplayer Titel schaffen eine dichte Atmosphäre mit Multiplayerspielelementen zu verbinden.

PS: Ich kapier’s immer noch nicht, warum man ein Spiel dessen Atmosphäre bereits im Trailer so dicht ist mit diesem Online/Social Zeug verunstalten muss.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: