Ist die Telekom zukunftsweisend?

Die Katze ist aus dem Sack: nachdem die Telekom zunächst zugegeben hatte mit dem Gedanken zu spielen für Festnetzanschlüsse Volumenbeschränkungen wie beim Mobiltelefon einzuführen, wurde dies nun als konkreter Plan der Öffentlichkeit bekannt gegeben. Zukünftig sieht es also so aus, dass jeder Neukunde der Telekom keinen Vertrag mit einer Flatrate mehr bekommt. Statt des “unendlichen” Surfvolumens (man beachte Geschwindigkeit und maximale Zeit pro Monat – eines von beidem bleibt fix) hat man ein von der Downloadgeschwindigkeit abhängiges Traffic Volumen. Ist dieses aufgebraucht kann man weiterhin surfen, jedoch nur noch mit einer (er/)gedrosselten Geschwindigkeit von 384 Kbit/s. Damit sind längere Ladezeiten garantiert und größere Downloads gehören der Vergangenheit an. (Weitere Fakten gibt’s bei Golem)

Man darf nicht vergessen, dass es in dem obskuren Früher, von dem alle immer reden und schwärmen, auch eine Abrechnung nach Volumen, bzw. nach Zeit gab. Die Onlinedauer legte fest wie viel man zu zahlen hatte. Man überlegte sich zweimal, ob man mit seinem 56kbit Modem die 5 MB Datei runterladen sollte oder nicht. So ähnlich könnte es auch wider kommen, wenn die Telekom ihr Drosselungsvorhaben tatsächlich in die Tat umsetzen wird. Natürlich sind wir zu einer Gesellschaft geworden, die ihre technischen Möglichkeiten wenig zu schätzen weiß. Heutzutage kann man quasi on the go ein Video aufzeichnen, hochladen, publik machen, mit anderen darüber chatten, Videokonferenzen abhalten, Videos und Musik streamen, Spiele runterladen und zocken, Spiele streamen usw. Etwas das vor 10 Jahren noch utopisch klang. Und wir probieren auch alles aus, gerade weil wir nicht fürchten müssen unser Volumen zu übersteigen. Wir gehen auf alle möglichen Seiten, laden Programme runter, posten Neues, nur weil wir es dank unserer Tarife unbegrenzt können. Die Wirtschaft freut’s, denn so kann man sich gerade bei digitalen Unterhaltungsangeboten vom Datenträgermedium lösen und das reine Produkt ohne Schnickschnack drumherum zu einem günstigeren Preis anbieten. Die Verkaufszahlen von MP3s belegen dies, genauso wie der wachsende Absatz von Spielen als Downloads. Doch damit wäre dann Schluss, denn man muss ja sein Volumen im Auge behalten. Max Payne 3 wird dann wohl dank seiner Größe von 35 GB stark an Attraktivität einbüßen.

Auch die zukünftige Konsolengeneration könnte davon starke Einbußen davontragen. Die PlayStation 4 stand bei ihrer “Enthüllung” groß im Zeichen des Sharings. Spielmomente mit anderen teilen, Downloads im Hintergrund, Allways on waren die Marketingsprüche. Ein Verkaufsargument, dass bei festgelegtem Datenvolumen einen faden Beigeschmack bekommt. Brauche ich dann einen neuen Tarif wenn ich mir eine neue Konsole kaufe? Muss ich den Stromstecker ziehen, damit ich am Ende des Monats noch Volumen übrig habe? Bietet das der Telekom die Möglichkeit künftig Konsolen direkt mit einem passenden DSL Vertrag zu verkaufen? Sollte sich dieses Vorgehen tatsächlich durchsetzen und andere Anbieter mitziehen, müssten die Endkonsumenten Einschränkungen oder erhöhte Kosten in Kauf nehmen. Vermutlich wird die nächste XBOX ebenfalls verstärkt auf Online Anbindung setzen (Allways On und Gebrauchtspielesperre Gerüchte) und damit ebenfalls weniger enthusiastisch bei uns aufgenommen werden als ursprünglich von Microsoft erwartet.

Doch nicht nur die künftigen Einschränkungen der Nutzer im Allgemeinen sind ein Problem, sondern die gleichzeitige Meldung, dass eigene Streamingangebote der Telekom aus der Trafficberechnung ausgelassen werden. Es gibt also eine klare Bevorzugung seitens des Providers zu dessen eigenen Vorteil. Von Netztneutralität kann hier keine Rede mehr sein. Der Kunde soll systematisch dazu gedrängt werden Angebote der Telekom (wie das Entertain Programmpaket) gegenüber Alternativen zu bevorzugen. Alleine deshalb sollte es gar nicht erst zur Umsetzung dieser Pläne kommen!

Wer sich übrigens gegen diese Pläne äußern möchte, dem sei die Online Petition von Malte Götz ans Herz gelegt. Oder man wird selbst aktiv und empört sich über dieses Vorhaben. Auf jeden Fall sollte man gegen solche Pläne in irgendeiner Form vorgehen, sonst ist die größte Möglichkeit zum gemeinsamen Austausch (aka das Internet) in Gefahr und dass in einem in ansonsten nahezu allen Lebensbereichen so fortschrittlichen Land wie Deutschland.

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