The Walking Dead Season 4 Episode 1

30 Days Without an Accident

Bereits vor über zwei Wochen war es soweit: The Walking Dead ging in die vierte Runde und führt die Handlung rund um Rick Grimes und die anderen Überlebenden der Zombieapokalypse fort. Obwohl die dritte Staffel der Serie stellenweise arg gestreckt oder wenig überraschend erschienen, muss man der Serie immer noch zu Gute halten, dass sie der endgültige Beweis dafür sind, dass Zombies im Mainstream der Mediengesellschaft angekommen sind. Zwar gab es schon seit 1968 (!) mit Night of the Living Dead entsprechende Filme, aber erst in den letzten 10 Jahren schlurften die Zombies vom Nischengenre zum General-Interest Produkt. Mittlerweile gibt es nur alle erdenklichen Auswüchse von der romantischen Zombiekomödie Warm Bodies, bis hin zum Brad Pitt Vehikel World War Z (das auf den Film wenig Einfluss habende Buch von Max Brooks lassen wir mal außer Acht).

First_Look_photo_TWD_S4Wo waren wir noch gleich? Achja, der Staffelstart von The Walking Dead. Als freiere Umsetzung des Comics ist die TV Serie zuletzt grob dem Comic-Plot gefolgt. Die Überlebenden gerieten in Konflikt mit den Bewohnern der Siedlung Woodbury und deren Anführer, dem Governor. Dies gipfelte schließlich im Tod einiger Protagonisten, der Verwüstung Woodburys und der Flucht des Governors. Die Überlebenden von Woodbury wurden als Zeichen des guten Willens in den Räumen des Gefängnisses aufgenommen und man ging ins Tagesgeschäft über. Genau an dieser Stelle beginnt die vierte Staffel. Rick ist nicht mehr mit Zombiemetzeln und der Suche nach Vorräten beschäftigt, sondern betätigt sich zusammen mit Hershel als Landwirt mit Schweinezucht und geht in den angrenzenden Wäldern auf die Jagd nach Kleintieren. Daryl führt die Gruppen, die außerhalb des Gefängnisses nach Vorräten suchen, Michonne ist immer noch bevorzugt als Einzelgängerin unterwegs schließt sich aber den Scouts an und Glenn und Maggie sind sich aufgrund einer möglichen Schwangerschaft Maggies uneinig über die Zukunft. Soweit zur Ausgangssituation zu Beginn der ersten Folge.

TWD_401_GP_0516_0021Danach geht es für fast alle Protagonisten ordentlich zur Sache. Rick trifft bei der Jagd auf ein Mädel, Clara, das auf den ersten Blick wie ein Walker erscheint und seine Hilfe benötigt. Clara und ihr Freund versuchen schon länger mehr schlecht als recht zu überleben. Rick ist zwar misstrauisch, aber bittet sie dennoch darum, dass sie ihn zu ihrem Freund führt, damit er entscheiden kann ob man die beiden ins Gefängnis aufnehmen kann. Trotz Ricks zögerlichen Vertrauen schwebt über der gesamten Situation eine bedrohliche Atmosphäre, denn irgendetwas scheint mit Clara nicht zu stimmen. Währenddessen sind die Scouts damit beschäftigt einen Supermarkt, der vormals als Lager für Überlebende diente auf Vorräte zu durchsuchen. Dabei sind auch Bob und Zach, zwei Neuzugänge der Truppe, die sich noch zu beweisen haben. Zach ist der Freund von Beth, die andere (blonde) Tochter von Hershel. Bob ist ein ehemaliger Militärmediziner, der vormals aus sich alleine gestellt war. Zumindest dem Zuschauer wird schnell klar, dass die Aktion nicht glimpflich ausgehen wird. Denn unbemerkt von den Scouts sieht man einen abgestürzten Hubschrauber und etliche Walker auf dem Dach des Supermarkts. Und auch im Gefängnis stimmt nicht alles. Der Neuzugang Patrick erinnert Kenner des Comics optisch an Chris erinnert, der zusammen mit Tyreses Tochter einen Suizid-Pakt in den Duschen des Gefängnisses ausführen wollte. Patrick ist ebenfalls ein Neuzugang und hat sich mit Carl angefreundet. Komisch ist nur, dass Patrick sich für den Vorleseabend mit Carol interessiert, was eigentlich für die kleineren Kinder gedacht ist. Unheilvolle Vorzeichen scheinen über allen drei Erzählsträngen der Folge zu liegen.

TWD_401_GP_0508_0229Schließlich kommt es zu den absehbaren Katastrophen. Clara führt Rick zwar zu ihrem Lager, aber attackiert diesen dort. Der Angriff schlägt fehl und Clara rammt sich aus Verzweiflung ihr Messer in den Oberkörper. Sie klärt Rick darüber auf, dass ihr Freund sich schon längst verwandelt hat und sie nur noch seinen Kopf bei sich hat. Mit letzter Kraft bittet Clara Rick darum, dass er sie sich verwandeln lässt, damit sie mit ihrem Freund vereint sein kann. Rick akzeptiert diesen Wunsch und lässt beide zurück. Schön, dass die Macher der Serie darauf verzichten den Kopf des Freundes explizit darzustellen, sondern diesen sich nur unter einem Tuch angedeutet bewegen lassen. Es hätte eh wenig Sinn gemacht, dass Rick sich den Freund oder was von ihm übrig ist genauer anschaut. Stattdessen geht Rick wieder zurück ins Gefängnis. Apropos Logik, die scheint bei den Ereignissen im Supermarkt mal kurz in den Urlaub geflogen zu sein. Bob scheint trockener Alkoholiker zu sein, denn ihn reizt die Versuchung eine Weinflasche einzustecken. Den Unfug lässt er zwar bleiben, aber dies hat zur Folge, dass das Weinregal einbricht (die sind aber auch instabil gebaut), umfällt, Bob einklemmt und die Walker auf dem Dach alarmiert. Diese haben sich zwar schon vorher auf dem Dach bewegt, aber erst jetzt scheint das die Dachkosntruktion dermaßen zu belassen, dass einer nach dem anderen durch die Decke kracht und die Scouts angreift. Dank der Hilfe der Anderen kann Bob befreit werden und fliehen. Zach hat weniger Glück. Er wird zunächst an seiner Achillesferse verletzt und anschließend unter den Hilflosen Blicken der anderen Scouts aufgegessen. Man hätte ihm zwar helfen und durch eine Beinamputation eine Ausbreitung der Infektion stoppen können, aber Beth hätte dann einen Freund, der genau wie ihr Vater mit Beinprothese rumhumpelt. In der Welt der laufenden Toten wohl auf Dauer zu unpraktisch. Glenn war übrigens auch bei der Gruppe dabei, ist aber in der Lage gewesen sich selbst zweier Walker erwehren zu können. Und auch der Vorleseabend verläuft nicht planmäßig. Carol nutzt diesen nämlich nur als Vorwand, um den Kindern beizubringen wie man sich gegen die Untoten wehrt. Carl entdeckt dies und verschwindet schnell wieder, während Carol ihn noch darum bittet nichts darüber seinem Vater zu erzählen. Patrick kann dem Messerspektakel übrigens auch nicht ganz beiwohnen, da ihm nach dem Anblick der Messer schlecht geworden ist. Komischer Junge.

Am Ende kehrt Rick zurück und stellt fest, dass eine krankes Schwein (!) verstorben ist. Maggie teilt Glenn mit, dass sie doch nicht schwanger ist, worüber sich beide freuen. Beth bekommt von Daryl mitgeteilt, dass sie nun wieder Single ist, woraufhin diese recht emotionslos reagiert und die “3″ vom Schild mit der Aufschrift “30 Days Without an Accident” entfernt und so endgültig den Episodentitel erklärt. Im Epilog der Folge ist schließlich Patrick zu sehen, der mit matter Körperhaltung und nassen Fußspuren durch die Gänge schlurft. Nach einem kurzen Abstecher unter die Duschkonstruktion klappt er schließlich zusammen, um als reanimierter Walker wieder aufzuwachen.

Walker - The Walking Dead _ Season 4, Episode 1 - Photo Credit: Gene Page/AMCInsgesamt ist die Folge recht stimmig. Die Serie hält erst mal Abstand von großen Konflikten wie sie am Ende der letzten Staffel stattfanden und arg bemüht wirkten. Stattdessen sind kleinere Konflikte, wie der mit der durchgedrehten Clara und ihrem körperlosen Freund (Kenner des telltale Spiels wird das nicht ganz unbekannt vorkommen) oder der vermeintlichen Lesegruppe im Vordergrund. Deutlicher Schwachpunkt, wenn auch von den Schauwerten her ganz interessant ist die Durchsuchung des Supermarkts, die zwar Action und Gewalt bietet, aber von der Logik auf der Strecke bleiben muss. Dafür war es umso passender Beth etwas mehr (weil fehlend) Tiefe zu verleihen. In einer Welt in der es jeden urplötzlich erwischen kann, hat sie sich dagegen entschlossen starke Emotionen gegenüber anderen zu entwickeln oder zu zeigen. Ihr Freund bekommt keine Verabschiedung beim Aufbruch und auch keine Träne nachgeweint. Ein kühler, rationaler Entschluss von der jungen Dame, bei dem sich erst noch zeigen muss, ob sie wirklich so unnahbar ist wie sie dem Zuschauer nun erscheint. Auch der Governor, als irgendwann wiederkehrender Antagonist der Truppe tritt indirekt in Erscheinung. Michonne ist nämlich damit beschäftigt seine potentiellen Aufenthaltsorte auf einer Karte zu markieren und für die Zukunft zu planen. Die verstärkt wiederum die bedrohliche Stimmung, die über allem schwebt.

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Kein phänomenaler, aber ein guter Start in die neue Staffel von The Walking Dead. Durch die vielen Neuzugänge bietet sich ein großes Spielfeld für zukünftige Konflikte, aber auch die Zombieaction scheinen die Autoren nicht zu vergessen haben. Der Cliffhanger am Ende der Folge machte große Lust darauf zu erfahren wie es weitergeht und übertrumpfte die entstandenen Katastrophen mit Clara und Zach bei weitem, da dieser sich zur direkten Bedrohung aller Überlebenden entwickeln könnte (auch wenn wir wissen, dass dies nicht tatsächlich der Fall sein wird, da dies das vorzeitige Ende der Serie bedeuten würde). Gerade weil sich die Serie nur lose an die Comics hält ist es schön, wenn die Macher der Serie Figuren einstreuen, die an Charaktere aus dem Comic erinnern Patrick) und an ähnlichen Orten wie im Comic folgenschwere Taten “vollbringen”.  Sollte die Serie auf ähnlichem Niveau bleiben, kann man getrost wieder regelmäßig einschalten. Vorerst sollte man aber erstmal abwarten, ob der im Hintergrund lauernde Governor nicht vielleicht doch noch mit Panzern, Hubschraubern und atomaren Riesenechsen im Gefängnis vorbeischaut.

Alle Bildrechte liegen bei AMC.

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