The Walking Dead Season 4 Episode 2

Infected

Es besteht Grund zur Freude und das gleich doppelt. Zum einen gab AMC bekannt, dass The Walking Dead um eine weitere, fünfte Staffel verlängert wurde. Zum anderen haben sich das unterschwellige Misstrauen gegenüber der aktuellen, vierten Staffel (noch) nicht bestätigt. Die zweite Folge der vierten Staffel wurde mit “Infected” (engl. infiziert) betitelt. Auf den ersten Blick ein nichtssagender Titel, da man als Kenner der Serie weiß, dass alle infiziert sind, sowohl die wandelnden Toten, als auch die noch lebenden Protagonisten der Serie. Damit muss wohl etwas anderes gemeint sein. Doch was?

Schon steht man als Zuschauer vor einem Rätsel: Wie erschließt sich nur der Episodentitel? Und rätselhaft geht es in der Episode weiter, denn um diese erzählerisch rund werden zu lassen hat man sowohl ans Ende als auch an den Anfang ein Rätsel gesteckt. Welche der insgesamt drei kleinen Rätsel nun aufgeklärt werden und wie die Episode ansonsten war, soll nun hier erläutert werden.

TWD_402_GP_0522_0284 Das Erste was man als Zuschauer zu sehen bekommt ist das Licht einer Taschenlampe, die einen direkt anstrahlt. Jemand ist bei Nacht im Freien unterwegs. Das Stöhnen der Walker ist zu hören, doch wen genau man da beobachtet erschließt sich nicht. Keine optischen Hinweise auf den nächtlichen Spaziergänger sind auszumachen. Dafür fallen einem aber die Ratten auf, welche die ominöse Person bei sich trägt. Diese steckt sie durch die Öffnungen des Maschendrahtzauns, der das Gefängnis umgibt und füttert so die Walker, die auf der anderen Seite des Zauns sind. Gleich darauf geht es dort weiter wo man in der letzten Folge aufgehört hatte, im Gefängnis. Patrick wandelt als Untoter durch das Gefängnis, fast überrascht er Tyreses Love Interest Karen im Schlaf, aber sein Weg führt ihn dann in die Nebenzelle und zu dessen schnarchenden Insassen. An diesem stillt er vorläufig seinen Hunger nach menschlichem Fleisch durch einen lautlosen Biss in den Kehlkopf. Unbehelligt kann er sich dadurch an den Eingeweiden des Mannes laben, der sich auch zu verwandeln beginnt.

TWD_402_GP_0523_0008Ein wenig später im anderen Zellenblock beginnt ein neuer Arbeitstag von Rick Grimes, Polizist Landwirt. Mit Sohn Carl versorgt er die Schweine und lehnt dessen Wunsch seine Waffe wiederzubekommen ab. Wir erinnern uns, Carl erschoss einen Jungen aus Woodbury, obwohl dieser keine direkte Bedrohung darstellte. Doch so lange kann man den Konflikt zwischen den beiden nicht ins Visier nehmen. Schon wird Alarm geschlagen und man versucht im nun zombieverseuchten Zellenblock zu retten, was noch zu retten ist. Leider verbreiten sich die Untoten schneller als Schimmel im WG-Kühlschrank. Auch Michonne versucht zu helfen, kann sich am Haupttor nicht gegen zwei Walker behaupten. Maggie und Carl müssen ihr helfen, wobei Carl gegen das vom Vater auferlegte Schusswaffenverbot verstößt.

Beim Aufräumen in den Zellenräumen beratschlagt man auch, wie es dazu kommen konnte. Offensichtlich handelt es sich beim Auslöser der Katastrophe um eine Krankheit, die von Schweinen und Vögeln übertragen wird. Währenddessen muss Carol mit einem Messer den gebissenen Ryan vor einem Zombiedasein bewahren, vor den Augen seiner beiden kleinen Töchter, von denen sie eine noch dazu animiert hat diese Erlösung zu erledigen (sic).

TWD_402_GP_0520_0029Zwischenzeitlich beschließen Rick, Hershel und der Rest des einberufenen Rates, dass die Erkrankten in Quarantäne versetzt werden müssen. Betroffen davon ist auch Tyreses Freundin Karen, die das Ganze rationaler sieht als Tyrese selber und sich der Entscheidung beugt. Unterdessen zeigen sich an der sonst so kühl wirkenden Michonne vollkommen neue Gemütsausprägungen. Als Beth ihr die kleine Judith geben will, um sich deren Erbrochenes vom Shirt wischen zu können, lehnt Michonne dies anfangs strikt ab, nimmt sie letztlich trotzdem in den Arm. Was nun kommt ist mehr als überraschend, da es sich, bis auf ein Gespräch der beiden im Voraus, nicht angekündigt hatte. Michonne bricht in Tränen aus, wimmert und zeigt somit die stärkste emotionale Regung, die der Zuschauer bislang von ihr gesehen hat. Respekt, so viel Tiefe hätte man dem Charakter gar nicht zugetraut, aber stille Wasser sollen ja angeblich tief sein. Womöglich bekommen wir in Zukunft noch viel mehr von Michonne zu sehen, abseits von Hardcore-Zombie-Metzeleien.

TWD_402_GP_0520_0532Derweil wartet auf die Gruppe draußen am Zaun das nächste Problem. Viel zu viele Walker drängen sich an selbigen und drohen diesen umzubiegen. Nachdem Darryl und Rick die Walker ablenken, indem sie ihnen die jungen Ferkel zum Fraß vorwerfen. Dadurch kann zwar der Zaunstabilisiert, aber Rick nicht glücklich gemacht werden. Für ihn war die Ferkelzucht der Weg aus einem LEben, das nur aus Gewalt gegenüber Walkern aber auch Menschen besteht. Hier ist anzumerken, dass Rick seit Staffelbeginn keine Handfeuerwaffe mit sich führte und auf einen Lebenswandel hoffte. Diese Hoffnung scheint nun passé. Aber mal ehrlich, wie groß war die Chance in Anbetracht der Umstände (Zombieapokalypse, irrer Antagonist auf freiem Fuß), dass Rick ernsthaft glaubte ein friedliches Leben zu führen. Daher schade für ihn, dass es nicht geklappt hat, aber als Zuschauer hoffte man eh, dass er mal wieder zur Tat schreiten wird. Außerdem entdeckt man die angefressenen Ratten am Zaun und macht diese als Ursache für die vielen Walker am Zaun verantwortlich. Jetzt stellen sich alle Überlebenden die Frage, wer da die Walker anlockt. Die Frage bleibt zwar unbeantwortet, aber nicht ganz abwegig wäre es mal mit den Kids von Ryan darüber zu sprechen, dass Zombies eine Gefahr sind und nicht einfach verwandelte Menschen denen man Spitznamen gibt. Zumindest scheint Carol, die Ryan versprach sich um seine Töchter zu kümmern und sich so vielleicht nach dem Tod ihrer Tochter Sophia wieder ihrer mütterlichen Qualitäten widmen kann, die beiden dermaßen emotional und kognitiv gefestigt zu haben, dass sie ihren Hinweis “Zombies sind gefährlich!” annehmen. Aber so ganz wird das wohl nicht stimmen, die Erklärung wäre viel zu einfach. Da erwartet man doch etwas weitaus spezielleres. Der Governor wird wohl kaum Nachts die Zombies von innen heraus anlocken und sich tagsüber im Gefängnis verstecken, so viel Logik traue ich der Serie schon zu. LAssen wir uns mal überraschen mit was die Autoren da auftrumpfen wollen.

Carl verrät seinem Vater anschließend, dass Carol die Anderen im Umgang mit Messern schult, aber er sich dies bitte nicht anmerken lassen soll. “Naja, der Junge ist vielleicht doch vernünftiger als ich dachte, vielleicht sogar vernünftiger als ich”, wird sich Rick da gedacht haben und gab Carl seine Waffe zurück. Er selbst hat seinen Gurt mit Pistole auch wieder angezogen. Nicht jedoch ohne vorher sein (womöglich) mit Krankheitserregern von den Schweinen besudeltes Hemd auszuziehen und mit dem Rest des Schweinestalls zu verbrennen. Die Damen dürfen nun kurz Andrew Lincolns nicht unansehnlichen Oberkörper anschmachten (in der TV-Serie Teachers gibt’s wesentlich mehr zu sehen geben), die Nicht-Schmachter fragen sich, ob bei den Aufgaben der Figuren nun  wieder alles beim Alten ist.

Nein, ist es nicht, denn ich hatte ja bereits angekündigt, dass sowohl am Anfang als auch am Ende der Folge ein Rätsel steht. Tyrese stößt auf dieses, als er an Kitschigkeit kaum zu überbieten mit einem Strauß selbstgepflückter Blumen in die Quarantäne-”Station” (man hat einfach den Todestrakt umfunktioniert, foreshadowing anyone?) geht um Karen zu besuchen. Weder sie, noch der zweite Patient sind da. Dafür aber eine Schleifspur aus Blut, die raus in den Hof führt, wo Tyrese auf die verkohlten Überreste der beiden stößt. Da war nicht nur Tyrese baff. Wer hat das gemacht? Und vor allem, hat der-/diejenige abgewartet bis die beiden tot waren?

Es scheint fast so, als ob sich ein Schema bei den neuen Folgen abzeichnet. Demnach bestehen diese momentan aus hauptsächlich emotionalen Konflikten zwischen Charakteren und einem bis zwei größeren Zombieaction-Szenen. Das ist soweit nicht störend solange es hin und wieder neue Elemente zur Auflockerung in diese Struktur schaffen. Aber zwei Folgen machen ja noch nicht die ganze Staffel schlecht. Insgesamt acht Folgen hat die erste Hälfte der Staffel und danach kommen noch viele Folgen um ordentlich aufzubauen. Oder vielleicht sogar abzubauen. Dann wäre jedoch der Glauben von AMC an The Walking Dead am Anfang des Artikels zu verfrüht gewesen.

Ricks emotionaler Konflikt in dieser Folge, war zwar nachvollziehbar, nahm den Zuschauer jedoch nicht richtig mit. Zu fern sind mittlerweile die Ereignisse in Woodbury und dem Tod seiner Frau Lori, als das sie uns sein Leiden mitfühlen lassen würden. Augenblicklich sehen wir in ihm nur einen Mann, dessen kleiner Traum vom friedlichen Leben zerstört wurde. Bei Carol hat man angefangen die Wurzeln für eine neue, mütterliche Beziehung zu den Töchtern von Ryan zu pflanzen. Standen diese ihr anfänglich noch abweisend gegenüber, haben sie zumindest zum Ende der Folge ihre Einstellung gegenüber Walkern und Gebissenen akzeptiert. Ob sie diese auch verinnerlicht haben, muss sich erst noch zeigen. Dennoch könnte dies der Anfang einer innigeren Beziehung werden, die aber vielleicht genauso enden wird wie die zu ihrer Tochter. Darryl konnte man in dieser Folge so gut wie vergessen. Außer um den Schweinelaster zu fahren und ein paar Infizierte zu erledigen machten sich die Autoren wenig Mühe ihn in die Handlung zu integrieren.

TWD_402_GP_0528_0453Relativ wenig kam zwar auch Tyrese vor, dieser wurde jedoch weitaus geschickter eingesetzt. Zuerst wird verdeutlicht, dass er sich in Karen verliebt hat, indem er ihr auf peinlich-verliebte Weise “I’ve got you under my skin” vorsingt. Danach spürt man seine Empörung, als Karen von den anderen isoliert werden soll. Schließlich kommen wir an seinem emotionalen Tiefpunkt an, als er Karens verkohlte Leiche im Hof entdeckt und all seine Hoffnungen und Träume (ähnlich wie bei Rick) zerstört wurden. Apropos emotionaler Tiefpunkt: Michonne (Danai Gurira) zeigt endlich die tiefen und verdrängten Emotionen, die man so bisher noch nie von ihr zu sehen bekam. Hier wird klar, dass sie die ganze Zeit etwas in sich zurückhielt, dass durch Baby Judith ausgelöst wird. Was liegt hier im Verborgenen? Eine Erinnerung an ihre Familie? Vielleicht hatte sie selber mal ein Kind oder womöglich eine Fehlgeburt unter der sie immer noch unterbewusst leidet? Wir wissen es noch nicht, können aber bereits darüber rätseln und uns auf die Auflösung freuen.

Episode 2 von Staffel 4 von The Walking Dead versucht mit seinen breit angelegten Konflikten den Massengeschmack zu treffen. Für jeden ist etwas dabei, egal ob man nun einige Charaktere heiß findet oder sich besonders gut mit ihnen identifizieren kann und sich deshalb um ihr Schicksal kümmert. Geschickt platziert als zweite Folge um noch recht viele Zuschauer an Bord zu holen, aber für spätere Folgen erwartet man entweder folgenschwere Tode oder wesentlich bewegendere Konflikte.

Folge 3 ist übrigens mit “Isolation” es wird also wohl auf den bisher gelegten Pfaden weitergehen.

Alle Bildrechte liegen bei AMC.

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